Mehr Wertschätzung für deutsche Unternehmer

In einem Interview der Mitteldeutsche Zeitung äußerte sich Mario Ohoven über Image, persönliche Risiken und Führungstile deutscher Unternehmern. Der Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft BVMW fand klare Worte, denn nach einer aktuellen Studie wäre lediglich jeder dritte Deutsche zwischen 14 und 34 Jahren bereit, sich selbständig zu machen – im EU-Durchschnitt beinahe die Hälfte der jungen Menschen. Ohoven sieht die Gründe für die mangelnde Bereitschaft in der geringen Wertschätzung von Selbständigen in der Gesellschaft.

Die Gründung von High-Tech-Firmen wie in Amerika oder Großbritannien erfordert mehr Gründungsdynamik, um als deutscher Unternehmer entscheidend in IT und Digitalisierung mitspielen zu können. Ohoven begrüßt die derzeit angebotene Unterstützung für Gründer betreffend der Förderung, gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass es zwei bis drei Jahre dauern kann, bis die jungen Unternehmer in eine Wachstumsphase kommen, um optimal finanziell weiter unterstützt zu werden. Im Vergleich zu Amerika gibt es im angelsächsischen Raum zu wenig Risikokapital-Geber. Ein Anreiz wäre steuerliche Begünstigung.

Ein sicherer Job in einem großen Konzern ist für viele junge Deutsche attraktiver, aber die Fluktuation wird dabei aus den Augen verloren. Im Mittelstand bietet sich vielen engagierten Führungskräften manchmal die Möglichkeit, sich am Unternehmen zu beteiligen oder es zu übernehmen. Auf diesem Weg profitiert man von den bereits gewonnenen Erfahrungen und die Aussichten wachsen von Tag zu Tag. Allein in den kommenden drei Jahren bieten sich 130.000 Möglichkeiten, als Unternehmensnachfolger die Selbstständigkeit als neue Chance zu erfahren.

Für viele junge Menschen stehen persönliche Werte wie Familie, Hobbys und Freunde wieder höher im Ranking als Karriere und ein hohes Gehalt. Allerdings gibt Ohoven zu bedenken, dass sich das Unternehmertum gewandelt hat und viel individueller ist. Ohoven entstammt einer alten Unternehmerfamilie und ging selbst schon sehr früh in die Selbstständigkeit. Rückschläge empfand er als Herausforderung, was für ihn aber kein Grund dafür ist, dass das Unternehmerimage in Deutschland einen negativen Touch bekommt. Erfolgreiche Unternehmer in Amerika oder Japan werden verehrt und genießen hohes Ansehen.

Die Wertschätzung ist deutlich höher und damit auch die Unternehmerquote. Einen Weg, das Image der Selbstständigkeit zu stärken, sieht Ohoven darin, bereits in der Schule Wirtschaft als reguläres Schulfach einzuführen wie es in Skandinavien bereits üblich ist. Der Unternehmer von gestern kümmerte sich hauptsächlich um seine Produkte und die Kosten. Der heutige Unternehmer ist für junge Berufsanfänger idealerweise mehr motivierender Trainer. Der Erfolg, auch von Innovationen, ist mehr denn je von motivierten Mitarbeitern abhängig und das gelingt nur, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen vorliegen.